Vorbereitung auf die Anhörung

Bereiten Sie sich gut vor.

Die Anhörung besteht aus zwei Teilen - einem Fragenkatalog >>mit 25 Fragen und einem offenem Interview, in dem Sie frei erzählen können und die Gelegenheit haben Ihre Fluchtgründen ausführlich darzulegen.

Lesen Sie deshalb den Fragenkatalog gut durch.

 

Was will ich erzählen?

Versuchen Sie sich vorab wichtige Details in Erinnerung zu rufen. Sie können sich die wichtigsten Daten und Ereignisse vorher aufschreiben. Das hilft Ihnen, Ihre Erinnerung zu sortieren und mögliche Unstimmigkeiten zu erkennen.

Eine sehr gute Möglichkeit ist, das Interview mit einer anderen Person zu üben. Sie werden merken, dass Ihnen beim wiederholten Mal das Erzählen viel einfacher fällt und Sie durch das Erzählen auf wichtige Vorfälle und Situationen kommen, die ansonsten vielleicht unerwähnt geblieben wären.

 

Schriftliche Beweise

Wenn Sie schriftliche Beweise über die Verfolgung haben, legen Sie diese spätestens bei der Anhörung vor. Hier kann es sich etwa um Dokumente handeln (zum Beispiel behördliche Schreiben oder Bescheinigungen von Parteien, Religionsgemeinschaften usw.) oder um Zeitungsberichte über Ereignisse, von denen sie persönlich betroffen waren. Das >>BAMF nimmt diese Papiere zu den Akten. Verlangen Sie, dass das BAMF Ihnen eine Kopie von den Papieren macht. 

Wenn Sie meinen, Freunde oder Verwandte könnten Ihnen wichtige Unterlagen aus Ihrem Heimatland schicken, sagen Sie dies dem BAMF. Unterlagen können als Beweise sehr nützlich sein. Entscheidend ist aber, was Sie bei der Anhörung sagen. Reichen Sie auf keinen Fall falsche Dokumente ein. Werden diese als Fälschung erkannt, kann dies dazu führen, dass alle Ihre Aussagen als unglaubhaft bewertet werden.

Falls Sie über Papiere verfügen, die beweisen, dass Sie mit dem Flugzeug nach Deutschland gekommen sind (zum Beispiel ein Flugticket oder die Boarding Card), sollten Sie diese dem BAMF geben.

 

Sonderbeauftragte bei sensiblen Fällen

Wenn Sie als Frau nicht mit einem Mann über erlittene Misshandlungen sprechen können, teilen Sie das dem >>BAMF möglichst früh mit. Es gibt Mitarbeiterinnen des BAMF, die für die Anhörung von Frauen besonders geschult sind. Besonders geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt es auch für Minderjährige und für Menschen, die unter einer psychischen Erkrankung infolge eines schlimmen Erlebnisses leiden (Trauma).

Auch wenn Sie wegen Ihrer sexuellen Orientierung verfolgt wurden, können Sie von besonders geschulten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angehört werden.

 

Dolmetscher

Bei der Anhörung ist eine Dolmetscherin oder ein Dolmetscher anwesend. Teilen Sie dem BAMF möglichst früh mit, welche Sprache Sie bei der Anhörung sprechen wollen. Es sollte die Sprache sein, in der Sie sich am besten ausdrücken können. Auch wenn Sie eine Frau als Dolmetscherin wünschen, können Sie dies dem BAMF mitteilen.

Der Dolmetscher oder die Dolmetscherin muss Ihre Angaben im Detail richtig übersetzen. Er oder sie hat ausschließlich die Aufgabe, Ihre Ausführungen und die Fragen des Mitarbeiters oder der Mitarbeiterin des BAMF zu übersetzen. 

Er oder sie soll keine Kommentare abgeben. Falls Sie den Eindruck haben, dass der Dolmetscher oder die Dolmetscherin diese Aufgabe nicht erfüllt, weisen Sie den Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin des BAMF darauf hin. Wenn es zu groben Verständigungsproblemen kommt, bitten Sie darum, dass die Anhörung mit einem anderen Dolmetscher durchgeführt wird. Bestehen Sie in jedem Fall darauf, dass Ihre Kritik in das Protokoll mit aufgenommen wird.

 

Vertrauensperson

 

Es besteht die Möglichkeit, dass eine „Vertrauensperson“ an der Anhörung teilnimmt. Dies können eine Freundin, ein Freund, eine Beraterin oder ein Berater sein. Normalerweise ist es allerdings nicht möglich, ein Familienmitglied, welches selbst einen Asylantrag gestellt hat, als Vertrauensperson zu wählen. Teilen Sie dem BAMF so früh wie möglich mit, wenn eine Vertrauensperson an der Anhörung teilnehmen soll. Es ist besonders gut, wenn diese sowohl Deutsch als auch Ihre Sprache beherrscht. Die Vertrauensperson kann aber nicht für Sie Ihren Antrag begründen.